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9/7/2010 : 10:14 pm : +0200

Bands Musiker/innen

Die Seite für Musiker/innen & Gruppen (Mitglieder)

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Interpret/in/Band

Paul Bartsch - live im Objekt 5

Ist Paul Bartsch nun Liedermacher oder Deutsch-Rocker, Singer/Songwriter oder Folk-Chansonnier? Egal – Schubladen interessieren den Mittfünfziger (Jahrgang 1954), der als Literaturwissenschaftler und Professor an einer mitteldeutschen Hochschule arbeitet und mehrere Theaterstücke und Romane veröffentlicht hat, ohnehin kaum. Musikalisch macht er seit Jahren „sein Ding“ mit dem Mut zur lebendigen Tradition, dem Gespür für eingängige Melodien und der bewusst eigenwilligen poetischen Sicht auf die Dinge.
Schon zu Beginn der 1980er Jahre gehörte Bartsch (neben Generationsgefährten wie Gundermann, Wenzel oder Körbel) zur DDR-Liedermacherszene, der in der geschlossenen Gesellschaft als kritisches Medium eine wichtige Funktion zukam. Der gesellschaftliche Umbruch 1989/90 hat Paul Bartsch nicht irritiert; seine ironische Distanz zu gesellschaftlich verordneten Wahrheiten (seien sie materialistisch oder materiell orientiert) ist geblieben. Zudem haben sich ihm in den letzten beiden Jahrzehnten Möglichkeiten eröffnet, die zuvor den meisten DDR-Künstlern verschlossen waren, nämlich die Liveauftritte durch Studioproduktionen zu ergänzen. Noch 1990 hat Bartsch die Langspielplatte „Leben in der Stadt“ veröffentlicht; 8 CDs in unterschiedlichen Besetzungen folgten. Seit Ende 2002 tritt Paul Bartsch nun mit „seiner“ Band aus gestandenen Musikern auf, die nicht nur auf der Bühne eine eingespielte Truppe darstellen: Thomas Fahnert (Gitarren) und Sander Lueken (Keyboards) haben u. a. in der DDR-weit bekannten M.-Jones-Band gespielt (deren End-80er-Hit „Nacht aus schwarzem Samt“ aus Luekens Feder stammt); der klassisch ausgebildete Schlagzeuger Ralf Schneider trommelt zudem bei den Folkrockern von HORCH, und Bassist Gerd Hecht hat sich in vielen Stilistiken von Funk-Jazz bis Celtic-Folk erprobt.
Drei Studio-CDs haben BARTSCH&BAND seit 2003 veröffentlicht („Bruchpiloten“, 2003 / „Stechen in See“, 2005 / „Wer weiß schon wie“, 2008), und alle hat die Jury der deutschen Liederbestenliste (www.liederbestenliste.de) zu „CDs des Monats“ gekürt. Für das Jahresende 2010 ist bereits die vierte Studio-CD angekündigt – da lag es nahe, zuvor die erfolgreichsten Stücke der letzten Jahre auf einer Live-CD zu präsentieren. Und das hallesche „Objekt 5“ bietet mit stimmiger Klubatmosphäre – dicht dran am Publikum – genau das Ambiente, in dem sich Paul Bartsch am wohlsten fühlt: im Dialog mit Leuten, die von einem Konzert mehr erwarten als retortengezüchtete Superstars, volkstümelnde Schenkelklopfer oder hohles Schlagergedöns. Den Männern auf der Bühne macht das hörbar Freude, und dem Publikum ebenfalls. Mehr als 70 Minuten Konzerterlebnis bietet die CD, die nicht nur akustisch auf handwerkliche Klasse setzt, sondern auch optisch als Miniaturausgabe alter Schallplattenalben zu gefallen weiß; eine augenzwinkernde Reminiszenz an jene Ära, die Paul Bartsch selbst musikalisch geprägt hat und für die stellvertretend die Klaus-Renft-Combo genannt werden darf (nicht von ungefähr findet sich auf jeder Bartsch&Band-CD eine musikalische Verbeugung vor jener 1975 in der DDR verbotenen Band; hier ist es der „Traum vom Apfelbaum“).
Dass Bartsch&Band mit ihren zupackenden Texten und ihrer intelligenten Präsentation nicht nur auf deutschen Bühnen gefallen, zeigen Einladungen (etwa über das Goethe-Institut) nach Belgien oder Dänemark; auf einschlägigen Festivals vom Nürnberger Bardentreffen über den Venner Folkfrühling und den Altenhofer Liedersommer bis zur Langen Nacht der Poesie oder der Grimmaer Liederflut waren die Musiker in den letzten Jahren zu erleben. Daneben sind es aber vor allem die Klubs, die Kleinkunstbühnen und Liederpodien, auf denen man sich wirklich nahe kommen kann, die die Begegnung mit Bartsch&Band zum Erlebnis werden lassen. Jetzt also auch nachzuhören auf der aktuellen Live-CD!

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